Warten

Monterey / Santa Barbara

Es musste so kommen. Sie brauchten nur 15 Minuten, um den toten Wal am Strand von Monterey zu vermessen, aber diese 15 Minuten reichten den Dieben aus, den großen Wagen aufzubrechen und die gesamte Fotoausrüstung zu entwenden. Bis hierhin hatten sie die toten Tiere als gutes Omen verstanden. Wie denn sonst? Sie waren schließlich in Amerika.

Bestürzt stand FfK vor dem ausgeraubten Wagen. Es waren nicht nur die Kameras, deren Verlust schmerzte. Was war eine Fotogruppe Wert, deren Existenzgrundlage vernichtet war? Wie soll ein Fotograf ohne Fotoapparat fotografieren?

Godot wartete auf die Freunde.

Alle Versuche der Neuorientierung, des Weitergehens, sie schienen vergebens. Nichts zu machen! Büttner wusste, dass das Warten sinnlos sein würde. Er suchte die Gefährten zu überzeugen.

Büttner: Die Fotoapparate, sie kommen nicht wieder!
Reuss: Doch. Hier wurden sie gestohlen, hier werden sie wieder erscheinen.
Büttner: Lasst uns Kampmann kabeln. Er wird uns Fotoapparate zuschicken.
Bohl: Schau, dort, zwei Boten, ein Junge, nein, zwei Männer. Sie werden uns sagen, wo die Fotoapparate sind!

Während die Freunde konsterniert am Wagen standen, näherten sich Wladimir und Estragon und schwadronierten den Gefährten die Ohren voll. Es war zum Mäusemelken! Büttner hätte die beiden Landstreicher nur zu gerne am Strick davon geführt.

Es war in seiner Absurdität alles so unendlich traurig. Der Wagen war demoliert. Die Reise stand vor ihrem jähen Ende, kaum hatte sie begonnen. In Santa Barbara wartete Godot auf die Gefährten. Kampmann meldete sich nicht.

Erschöpft schlief Büttner auf der Rückbank des ausgeraubten Wagens ein. Reuss. fuhr derweil nach Los Angeles. Dort hofften sie ungeprüfte Deutsche zu werden.

Sie ließen Wladimir und Estragon am Strandparkplatz zurück. Reuss sammelte all seinen Mut und gab Vollgas. Bohl wies ihm den Weg.

Später am Abend kamen sie in Santa Barbara an. Büttner, durch den Schlaf gestärkt, hielt noch am gleichen Abend im Brooks Institute einen Vortrag über Geisterfotografie. Bei den Studenten fand das gleichnamige Buch reißenden Absatz.

Jahre später erzählte Jean-Philippe, er habe zufällig auf einer Schiffspassage von New Heaven nach Dieppe einen Fotoapparat gefunden. Er nahm den Apparat an sich, fotografierte Treppen, seine Füsse und gab später den Film nicht zur Entwicklung. Wir alle wissen, dass es nicht nur der eine Fotoapparat war, den er auf einer Fähre gefunden haben will.

Soundtrack: America, „A Horse With No Name“, Warner Bros. Records, 1971