Second Outside

Montag verstand natürlich nicht, was Vergil von ihm wollte. Doch er ließ ihn machen. Der korrigierte ihn bei diesem und jenen. Er oktroyierte, sehr langsam zu gehen, nicht stehen zu bleiben, aber langsam weiter zu kommen. Umdrehen war ausnahmsweise völlig egal. Montag empfand das abgebremste Schreiten als Qual, was aber blieb ihm schon übrig? Vielleicht würde es Jahrhunderte, Jahrtausende dauern, bis die Exerzitien in Zeit und Raum beendet waren. Wer konnte das wissen? Aus diesem Grund ist es notwendig, sich anderen Orten im unerklärlichen Universum zuzuwenden. Wir werden zu gegebener Zeit wieder auf Montag und Vergil zurückkommen. Und wir werden erleben, wie er in Vieste einen Hinweis bekommt, der ihm die Möglichkeit eines Schritts zur Lösung seines Dilemmas offenbart. Und dann liegt es ja wohl nur an ihm, diesen Schritt zu gehen. Lassen wir ihm die Zeit, die er benötigt. Allerdings muss er dann noch nach Manduria, nach Tarent und in die Millionärsfluchtburg Matera. Wie immer geht es nicht einfach mal so. Wie immer muss stets ein Umweg programmiert sein, von wem auch immer. Wir sehen es noch kommen, aber eben nicht jetzt. Aber so viel sei schon verraten: Montag wird Bekanntschaft mit dem Primitivo machen. Demjenigen, welcher als Namensgeber für den hiesigen Wein verantwortlich zeichnet. Und er fragt sich natürlich, was das alles an integrierender Logik besitzt. Keine, versteht sich, denn sonst wäre es nicht das Leben, das so ist, wie es ist.

Sie kamen unspektakulär in Second Outside am Rand des Systems an, landeten, einen weiten Bogen einschwingend auf das Hochplateau am Anlegetower, rückwärtig und tasteten sich langsam und mit Bedacht an die Halteklammern des Docks heran. «Sauberes Manöver» kommentierte Bina die Leistung der Steuerfrau im Spine der 耳の神様. Cat wiederum gab Bina einen High five. Sie waren nervös. Beide. Und es half ihnen nicht, dass sie schon so viele Male gemeinsam durch dick und dünn gewatet waren. Dieser Ort war nicht für Wesen wie sie gemacht. Jemand musste Ihnen verraten haben, dass Captain Montag hier Unterschlupf gefunden hatte, aber gewiss, wir werden davon nichts erfahren. Wir kennen vergleichbare Habitate. Das dürfte reichen. Warum war der denn hier? Während Dienstag in Wackersdorf demonstrierte, brachte Montag in einen Kubus eines jeden Kernkraftwerks seine Wortbomben an. Sie könnten, nein, sie erzielten Effekte. Es waren aber nicht mehr als Aufkleber. Blöde Sticker. Und auf ihnen stand nichts anderes als «AKW nee». Danieder liegend. Und doch. Words are deeds. Das hatte ihn das 20. Jahrhundert gelehrt.