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© foto: cornelia sollfrank
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Cornelia Sollfrank, Märkisches Museum Witten
MuseumShop

Ich nehme die Gelegenheit, mit einem Museum zusammenarbeiten zu können, zum Anlass, die Aspekte meines künstlerischen Forschungsthemas „geistiges Eigentum” in Hinblick auf seine Relevanz für die praktische Museumsarbeit zu untersuchen.

Das Märkische Museum in Witten verfügt über eine umfangreiche Sammlung mit dem Schwerpunkt deutsche Malerei und Grafik des 20.Jahrhunderts und darüber hinaus über mehrere Spezialsammlungen. Die meisten der Werke sind nicht fotografiert oder digitalisiert; das Museum besitzt keine Datenbank, nicht einmal eine Website. Die Digitalisierung des Bestandes, die notwendig wäre, um diesen allgemein zugänglich zu machen, ist nicht nur finanziell aufwändig, sondern birgt die Gefahr von Missbrauch und einen Kontrollverlust im Hinblick auf die Nutzung. In seiner finanziell angespannten Situation, ist das Märkische Museum – wie die meisten Museen – darauf angewiesen, seine Ressourcen nutzbar zu machen und neue Einkommensquellen zu erschließen; es wird mittelfristig nicht vermeiden können, auch seine immateriellen Rechte und Eigentumspositionen zu verwerten. Dabei ergeben sich vielfältige Widersprüche zwischen privaten und öffentlichen Interessen, die das Projekt „MuseumShop” mit künstlerischen Mitteln auf die Spitze treiben wird.


Die Künstlerin begeht zusammen mit dem Direktor des Märkischen Museums, Dr. Wolfgang Zemter, die Sammlung. © C. Sollfrank 2007

Cornelia Sollfrank
http://artwarez.org

Cornelia Sollfrank studierte Malerei an der Kunstakademie München bei Prof. Helmut Sturm (SPUR) und Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Prof. Berhard Johannes Blume, wo sie 1994 mit einem Diplom mit Auszeichnung abschloss. Nach dem Studium arbeitete sie zwei Jahre bei Philips Media als Produktmanagerin.

Seit Mitte der 90er Jahre erforscht die Hackerin, Cyberfeministin, Netz- und Konzeptkünstlerin Cornelia Sollfrank die weltweiten Kommunikationsnetze und überträgt künstlerisch-subversive Strategien der klassischen Avantgarden ins digitale Medium. Dabei ist es ihr besonderes Anliegen, neue Formen von Autorschaft zu erproben, künstlerische Verfahren der Aneignung weiterzuschreiben und Mythen um Genialität und Originalität zu dekonstruieren. In jüngster Zeit mischt sich Sollfrank mit künstlerischen Beiträgen in die Copyright-Diskussion ein.

Ein weiterer Schwerpunkt ihres künstlerischen Forschens beschäftigt sich mit unterschiedlichen Formen von Kollaboration, Networking und Kommunikation als Kunstformen. Darüber hinaus enthalten viele ihrer Arbeiten – implizit oder explizit – einen gender-spezifischen Ansatz. Sollfrank ist Webmaster von artwarez.org und obn.org. Sie betreibt und moderiert die Mailinglisten [echo] Kunst, Kritik und Kulturpolitik in Hamburg, surveillance studies, oldboys zum Thema Cyberfeminismus (englischsprachig) und thing-hamburg. Ein Blog und ein eigenener Server gehören zu ihrer Kommunikationsinfrastruktur.

Sie war Gründungsmitglied der Kollektive frauen-und-technik und -Innen und initiierte das weltweite cyberfeministische Netzwerk Old Boys Network. Sie ist Mitveranstalterin und Organisatorin der drei internationalen Cyberfeminismus-Konferenzen (1997–2001). Ihr Projekt female extension (1997) war der Hack des ersten, von einem Museum veranstalteten Wettbewerbs für NetzKunst, indem sie das Museum mit 300 virtuellen Bewerberinnen überflutete. Sie ist Erfindern der net.art generators, die interaktiv Kunst im Internet produzieren. Mit Improved Tele-vision, einer Sound-Installation und Website schrieb sie sich unbescheiden in die Reihe so berühmter Künstler wie Arnold Schönberg, Nam June Paik und Dieter Roth ein. Sollfrank ist Herausgeberin der Reader first Cyberfeminist International (1988) und next Cyberfeminist International (1999). Im Jahr 1999/2000 produzierte Sollfrank eine Werkreihe zum Thema Women Hackers. 2004 erschien die Künstler-Monografie Cornelia Sollfrank — net.art generator im Verlag für moderne Kunst Nürnberg.

Sollfrank ist Initiatorin und Mitbetreiberin der Internetplattform für Kunst und Kritik THE THING Hamburg und arbeitet zur Zeit an einem PhD zum Thema Open Cultures an der Duncan of Jordanstone University in Dundee, Schottland.


Werkproduktion; Cornelia Sollfrank lässt in dem Fotostudio der Hamburger Kunsthalle Werke aus dem Märkischen Museum Witten unter museologischen Richtlinien für ihre Arbeit MuseumShop fotografieren. © C. Sollfrank